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Besuch in Rubik
im Rahmen der "Politischen Bildungsreise Albanien" der Akademie
Graz
von 11. bis 15. Mai 2011
Gleich vorweg: für die Teilnehmer der Reise war dieser Programmpunkt
der Höhepunkt der Reise!
Wir kamen mit einstündiger Verspätung nach Rubik und wurden
dort im Bildungshaus der AAP schon sehr erwartet. Noch im Freien fand
eine herzliche persönliche Begrüßung durch Bürgermeister
Mark Ruci, den Koordinator Skender Thaci, eine Dolmetscherin und eine
Reihe von Männern und Frauen statt. Dann wurden wir in den Tagungsraum
geführt, wo wir an einem langen Tisch Platz nahmen, Gastgeber und
Gäste einander gegenüber. Hier wurden wir offiziell begrüßt
- eine der Organisatorinnen unserer Reise sagte nachher, sie sei sich
vorgekommen wie bei einem kleinen "Staatsbesuch". Der Bürgermeister
und der Koordinator stellten die Projekte der AAP im Raum Rubik vor, gedolmetscht
wurde englisch nach Rückfrage. Aufgezeigt wurde u.a. die Wichtigkeit
und Effektivität der verschiedenen Kurse im Bildungshaus, so unter
anderen Computer-, Sprach-, Nähkurse, Kochkurse, ect .
Ergebnisse der Kurstätigkeit, die von Soroptimist Österreich
/ International finanziell ermöglicht wird, konnten wir live erleben.
Wir wurden in den Festsaal gebeten, wo wir vor der Bühne Platz nahmen,
um eine professionelle Vorführung der Kinder-Folkloregruppe zu erleben.
Es war großartig, mit welcher sichtlichen Freude und mit welchem
Schwung und Gefühl für Rhythmus die Kinder tanzten und auf traditionellen
Instrumenten musizierten. Betreut von den Venerinischwestern im Bildungshaus!
Und in der farbenfrohen Tracht, deren Anfertigung nach alten Mustern nach
dem Verlust der Tradition in der Kommunistenzeit erst wieder erlernt werden
musste. Nicht nur Kinder lernen die überlieferten und wieder "ausgegrabenen"
Tänze und Lieder. Traumatisierten Frauen wird die Möglichkeit
geboten im Ausdruckstanz ihre schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten.
Da wir ja zeitlich arg im Verzug waren (siehe oben) wechselten wir nach
der Tanzvorführung gleich wieder in den Tagungsraum. Der hatte sich
inzwischen verwandelt: Frauen hatten mit geschickten Händen ein reichhaltiges
Buffet aufgebaut - wie wir erfuhren, nach Absolvierung eines Kurses für
Ernährungslehre und Kochen! Von köstlichen Vorspeisen und Salaten
aus Produkten der Region über albanische Spezialitäten wie Tave
dheu, einen Auflauf mit Lammleber und pikante Strudel bis zu Süssigkeiten
wie Baclava und Halva bot sich uns eine reiche Palette albanischer Küche
dar, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Leider konnten wir diesen Köstlichkeiten
nur wenig Zeit widmen, was nicht nur wir, sondern auch unsere Gastgeberinnen
bedauerten. Auch zur Besichtigung der mit Computern und Nähmaschinen
bestens ausgestatteten Kursräume hätten wir uns mehr Zeit gewünscht.
Als nächstes war ein Besuch im Sozialhaus vorgesehen. Dort befindet
sich die kleine Werkstätte mit Nähmaschinen und Webstuhl und
wir trafen die Frauen, die die Taschen mit der eingetragenen Marke ahiqa
- Albanian-Highland-Queen-Art, designt und jede einzelne vorbereitet von
Marianne Graf, nähen. Einige Taschen wurden von den Teilnehmern erworben,
leider waren nur wenige Stücke vorrätig. Nach herzlicher Verabschiedung
machten wir uns auf zum Friedensweg. Am Beginn der Hauptstraße blieben
wir noch an der Straßentafel "Rruga Marianne Graf" stehen,
um die auf einer großen blauen Tafel aufgelisteten AAP-Projekte
zu studieren. Wie hat sich doch Rubik gewandelt! Hinter uns ein frisch
geweißter Plattenbau, der vor kurzem noch ganz grau war, vor uns
blühende Sträucher als Straßenbegrenzung! Ein kleines,
aber sichtbares Zeichen für das Greifen des umfassenden Stadtentwicklungsprojekts
von Marianne Graf.
Weiter ging es bergan, vorbei an den Kreuzwegstationen über die
im Rahmen eines Arbeitslosenprojektes sauber verlegten Steinplatten, die
wiederum von Steinklopferfamilien angekauft worden waren. In der kleinen
katholischen Christi-Himmelfahrts-Kirche, die in der Zeit der atheistischen
Diktatur bis auf Teile der Apsis mit wertvollen Fresken vollständig
zerstört worden war, erwartete uns ein kunsthistorisch versierter
Journalist mit einer "Kirchenführung". Auch hier Zeitdruck.
Aber für die paar Schritte auf das Plateau mit dem Schöpfungsstein,
entworfen von Marianne Graf als Friedenszeichen mit den Symbolen der abrahamitischen
Religionen, musste Zeit sein. Von dort blickten wir hinunter auf das Flussbett
des Mat, der nun von der neuen Autobahn begleitet wird und auf den Kreisverkehr,
über den Rubik an die Autobahn angebunden ist - vor ein paar Jahren
noch völlig unvorstellbare Zukunftsvision! Dahinter fällt der
Blick aber auch auf die geschlossenen, desolaten Industrieanlagen - und
ich habe plötzlich die Vision, dass in paar Jahren dort dank finanzkräftiger
Investoren wieder Leben einkehrt....
Der Koordinator hat uns die ganze Zeit begleitet, mit unserem albanischen
Begleiter Mihallaq als Dolmetsch an der Seite, und wie wir zu unserem
Bus zurückkehren, ist der Bürgermeister da um uns herzlich zu
verabschieden, mit ihm einige der Frauen und Männer, die im Bildungshaus
dabei waren und eine Schar Kinder. Es war, wie eingangs gesagt, ein großes
Erlebnis für uns ÖsterreicherInnen. Aber wie hat "unser
Albaner" das Ganze aufgenommen? Mihallaq, der im Bus und unterwegs
bei den Rundgängen durch die Innenstadt von Tirana, uns Einblick
in die wechselvolle Geschichte des Landes und in die aktuelle politische
Situation gab. Also sprach ich ihn nach unserem Besuch in Rubik daraufhin
an. Er sei tief bewegt und beeindruckt, sagte er, er habe ja schon von
den Projekten gehört, aber nicht gewusst, was davon wirklich zu halten
sei. Er sei prinzipiell Hilfsorganisationen gegenüber sehr skeptisch,
weil sie oft mehr Schaden als Nutzen anrichteten. In diesem Fall aber
sei er von der Effektivität voll überzeugt worden. Und er sei
auch sehr stolz auf seine albanischen Landsleute, dass sie so aktiv mitmachten.
Abends beim Abschiedsessen in Shkoder, wo wir noch der Burg Rozafa einen
Besuch abstatteten, bevor wir nach Montenegro weiterfuhren, ließ
er den anerkennenden Worten Taten folgen: er überreichte uns das
ungeöffnete Kuvert mit dem Trinkgeld, das wir für ihn zusammengelegt
hatten, für die Projekte von Marianne Graf. Davon waren wiederum
wir alle sehr berührt und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Graz, Juni 2011 Dr. Edda Habeler, Dr. Roswitha Haberfellner
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Eine unvergessliche Reise nach Albanien - Sommer 2009
Im Juli dieses Jahres hatte ich die einmalige Gelegenheit, Frau Dr. Marianne
Graf, Gründerin und Leiterin der privaten Hilfsorganisation ALBANIA-AUSTRIA-PARTNERSCHAFT,
bei einem Hilfseinsatz zu begleiten.
Wir bereisten den nördlichen Teil Albaniens, wo auch der weite Wirkungsbereich
ihrer Hilfsorganisation ist.
Weit über eintausend Kilometer legten wir in diesen Tagen auf zum
Teil sehr holprigen Pisten zurück. Wir kamen bis in die entlegensten
Bergdörfer, wo auch die Not am schlimmsten ist. Hier begegneten wir
Großfamilien, denen buchstäblich das Dach über dem Kopf
zusammenfällt.
Wenn man bedenkt, dass in diesem Gebiet im Winter die Temperaturen bis
auf minus 20 C° fallen, diese Häuser weder einen Ofen im Haus
haben und dann noch das Regenwasser durchs Dach eindringt, frag ich mich,
wie hält so etwas ein Mensch aus?
Marianne Graf setzt hier an. Mit Ihrer Hilfsorganisation stellt sie Geld
für notwendige Baumaterialien und die Bezahlung der Arbeitskräfte
zur Verfügung. Bedingung ist, dass ein Professionist vor Ort ist
und die Hilfsarbeiten von Arbeitslosen aus der Umgebung übernommen
werden.
Das wichtigste Gebot für Marianne Graf ist, den Leuten im Land, Arbeit,
Bildung und ärztliche Versorgung zu sichern. Ihr Hilfskonzept ist
perfekt durchdacht und umfassend. So finden sich in ihrem Programm auch
Aufforstung, landwirtschaftliche Hilfe für Kleinbauern, oder auch
Dorferneuerungsstrategien. Eben Hilfe zur Selbsthilfe!
Dies ist meiner Meinung nach auch die beste Art zu helfen. Dazu kommt
noch, dass Marianne und Willi Graf alle Overheadkosten der Organisation
aus eigener Tasche bezahlen. So kommt jeder gespendete Euro direkt den
Leuten vor Ort zu Gute!!!
Die vielen berührenden Eindrücke vom enormen Einsatz von Frau
Graf und von den gewaltigen Hilfeleistungen, die ich in diesen fünf
Tagen sammeln konnte, möchte ich in Vorträgen weitergeben und
so auch mithelfen, dass diesen fleißigen und doch so armen Menschen
neben uns in Europa geholfen werden kann. Ich habe mit eigenen Augen gesehen,
wie sehr sich unsere Mithilfe lohnt!
Peter Painer, Gartengestaltung und Baumschule Eggersdorf
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Albanien-Reise mit Marianne Graf - Herbst 2005
Der Koordinator von Albania-Austria-Partnerschaft (AAP), Herr Skender
Thaci, erwartete uns am Flughafen in Prishtina, um uns zu einem "Traumatisiertenheim",
das 1999 von Marianne Graf das erste Mal besucht wurde, zu bringen. Das
Haus war zerbombt, Kinder waren schwer traumatisiert und zum Teil verletzt.
Führende Politiker waren bereits im Heim (Albright, Kofi Annan).
Auch die UNICEF war hier, hat fotografiert, Zeichnungen bekommen, einen
Kalender daraus gemacht, ............ dabei blieb es. AAP hat gemeinsam
mit der Caritas Graz das Heim wieder aufgebaut. Zur Zeit werden 250 traumatisierte
Kinder und einige Mütter betreut, unterrichtet und im Nähen
ausgebildet. Dr. Flora Brovina, die Heimleiterin, die selbst in serbischen
Gefängnissen gefangen war, eine Ärztin und Parlamentsabgeordnete,
arbeitet in ihrer Freizeit mit einigen jungen Frauen im Heim. Sie kann
trotz ihrer Verbindungen wenig oder fast gar nichts erreichen, es gibt
riesige Versorgungsprobleme. Die Kinder waren über den Besuch sehr
erfreut und haben voll Stolz gezeigt, was sie gelernt haben. Zeichnungen
und Schulhefte wurden gezeigt, Gedichte vorgetragen.
Abends trafen wir einen zufällig in Prishtina weilenden Parlamentarier
Albaniens. Er erzählte mir, dass keine Hilfsorganisation so vielseitig
und effizient arbeitet, wie die von Marianne Graf. Er erzählte mir
auch, dass Marianne Graf stark in der Konzepterstellung für moderne
Gemeindeführung mitarbeitet und diesbezüglich in Rubik schon
einiges erreicht hat.
Am Morgen dieses Tages wurde ein von Marianne Graf gebauter, multiethnischer
Kindergarten eröffnet, ein wirklich großes Friedensprojekt.
Roma, Kosovo-Albaner, Ashkali und Bosnier warteten friedlich vereint und
erfreut auf die Eröffnung. UNO-Vertreter, Gemeindevertreter, der
Regierungsbeauftragte der Minoritäten, alle waren sie da.
Aufbruch nach Albanien. Bei Kukes fuhren wir über die Grenze.
Zur großen Überraschung Mariannes war der große Drin-Stausee
fast leer, der 70 % des Stromes für das Land liefert, d.h., wenn
kein Wunder geschieht und nicht genug Regen fällt, wird es im Winter
keinen Strom geben. Sabotageakt? Naturkatastrophe? Unglück? Jedenfalls
ein schwieriges Stück Arbeit für die neu gewählte Regierung.
Obwohl wir mit einem Leihauto und nicht im bekannten Auto der Albania-Austria-Partnerschaft
unterwegs waren, verbreitete sich die Kunde, dass Marianne wieder im Land
ist, wie ein Lauffeuer. Der Bürgermeister einer kleinen Stadt stand
plötzlich an der Straße und bat um ein Gespräch. Unser
Gepäck wurde umgeladen und schon ging es wieder ein Stück des
bereits zurückgelegten Weges retour in eine Gaststätte, dort
breitet er seine Sorgen aus.
Als wir in der Dunkelheit das Lokal verließen, standen Angehörige
der Familie Hasani plötzlich vor uns. Wieder wurde unser Gepäck
umgeladen - wir, noch fünf Personen und eine Ziege fuhren in einer
rostigen Klapperkiste mehr als eine Stunde einen abenteuerlichen Weg in
ein Bergdorf. Den letzten Rest des Weges legten wir in stockfinsterer
Nacht zu Fuß zurück. Ein freundlicher Empfang durch die Familienmitglieder
ließ uns die Mühsal vergessen. Marianne hat dieser Familie
und dem Dorf sehr geholfen. Eine Schule wurde in der Nähe renoviert,
Straßen wurden so gut wie möglich befestigt, Zement wurde verteilt,
um die Häuser notdürftig zu renovieren, Obstbäume wurden
eingesetzt. Voll Stolz wurden wir mit Produkten, die sie selbst erzeugt
haben, bewirtet.
Eine Familie im Hochland verdient durchschnittlich 100 € im Jahr,
davon müssen sie leben. Ein Sohn der Familie arbeitet in Griechenland,
mit seinem Gehalt unterstützt er die 19 Familienmitglieder. Die anderen
Söhne versuchen, durch Gelegenheitsarbeiten das Einkommen aufzubessern.
Die Frauen kränkeln und gehören medizinisch und durch praktische
Unterweisungen unterstützt, jedes Kind nimmt ihnen etwas von ihrer
Gesundheit und Kraft.
Wir verabschieden uns am Morgen. Auf der Rückfahrt machen wir Halt
bei einer Familie, die dringender Hilfe bedarf. Im Haus nur gestampfter
Lehmboden und in der Mitte ein kleiner Sparherd. Bei Schlechtwetter regnet
es durch das Dach, der Lehmboden wird aufgeweicht. Die Bewohner streuen
dann im Herbst gesammelte Blätter darüber, um überhaupt
im Haus leben zu können.
Wir besuchen die Schule des Dorfes, sie gehört ebenfalls dringend
renoviert, das Dach ist durchlässig, die Mauern bröckeln herab,
die Fenster sind zum Teil kaputt - im Winter muss es im Klassenzimmer
entsetzlich kalt sein.
Ich bin tief betroffen - so viel Armut und Hoffnungslosigkeit, und das
mitten in Europa, nur eine Flugstunde von uns entfernt!
Auf der Weiterfahrt besuchen wir in Lagja Zezaj einen Kinderhort. Es tut
meiner Seele gut nach den traurigen Kindern im Hochland, Kinder zu sehen,
denen es Dank Mariannes Hilfe endlich besser geht - gesunde, rotwangige
Kinder in bunten Räumen mit Spielzeug, kleine saubere Bettchen und
Zuwendung von der Heimleiterin und ihren Helferinnen.
Wir fahren an einer gerissenen Hängebrücke vorbei, die zur Zeit
von der Albania-Austria-Partnerschaft repariert wird. Mariannes Hilfe
ist allgegenwärtig - woher nimmt sie nur die Kraft?
Auf der Hochebene von Puke treffen wir Pater Giovanni, einen italienischen
Priester.
Mit Hilfe der AAP wurde ein Agrarkleinprojekt zur Vermarktung und Erzeugung
von Lebensmitteln verwirklicht - eine Verarbeitungsstätte wurde gebaut,
um Wurst und Schinken darin reifen zu lassen und die Marmeladen verschiedenster
Sorten lagern zu können. Pilze, Kräuter für Tees werden
gesammelt und getrocknet. Pater Giovanni will versuchen, die Waren nach
Italien zu exportieren. Eine Baumschule wurde aufgebaut. Vom Erfolg des
"Aufba(ä)umens" konnten wir uns überzeugen, die ersten
ausgepflanzten Bäumchen sind schon größer als Marianne.
Mit Pater Giovanni wird auch die Aktion "Adlernest" durchgeführt
- kranke und ärmste Kinder aus den Städten werden zu ihm in
die Ferien geschickt. Hier ist noch viel Hilfe zu leisten und Arbeit zu
tun.
Am Abend sind wir in Tirana in der Wohnung von Marianne. Der Bürgermeister
von Rubik hat sich angesagt, er hat schon von einem LKW-Fahrer von unserer
abenteuerlichen Fahrt und Übernachtung im Hochland gehört. Mariannes
Aufenthalt und ihre Route durch das Land bleibt nicht geheim.
Heute haben sich schon viele Menschen bei Marianne angesagt:
Ein Parlamentsabgeordneter in Lezhe, Prec Zogaj (ein berühmter Schriftsteller
in Albanien), ersucht Marianne, eine multiethnische Schule in einem Stadtteil,
in dem es noch keine Schule gibt, aufzubauen. Auch der Landeshauptmann
ist zu diesem Treffen mit einem italienischen Padre gekommen. Sie alle
wollen diese Schule für alle Menschen - Roma, Ashkali und Albaner
- bauen. Auch ohne Albanischkenntnisse bekomme ich mit, wie diese Männer
auf den Rat Mariannes hören. Sie versucht, demokratisches Denken
zu verbreiten und gemeinsam mit den Politikern aller Parteien das Land
in eine bessere Zukunft zu führen.
Weiterfahrt nach Mirdita - Kleinhandwerksbetriebe werden hier erfolgreich
unterstützt, wie z. B. ein Schmied, ein Steinmetz. Marianne besucht
ihn, er hat den Friedensbrunnen von Rubik gemacht. Auf der Weiterfahrt
sehen wir die Schule von Fang, finanziert vom Osttiroler Lehrerverband
und ein Straßen-Ambulatorium, vom Sternkreuzorden finanziert. Anstelle
von Ortstafeln sehe ich auf dieser Fahrt viele Tafeln, die auf erfolgreiche
Projekte der Austria-Albania-Partnerschaft hinweisen. Mariannes Hilfe
ist allgegenwärtig!
Wir kommen nach Rubik.
In dieser Stadt wird Mariannes Erneuerungskonzept umgesetzt: Als Arbeitslosenprojekt
konzipiert, werden Gehwege gepflastert, Blumen und Sträucher gepflanzt,
Sitzbänke aufgestellt, ein Friedensweg gebaut. Das Bildungshaus in
Rubik wurde besucht. Der Grund wurde von der Kirche geschenkt, die Betriebskosten
werden von der Gemeinde übernommen - einmalig bis jetzt, dass Kirche
und Staat zusammenarbeiten.
Durch den derzeitigen Strommangel gibt es nur Unterricht in den frühen
Morgenstunden. Bei unserem Besuch am Nachmittag gab es keinen Strom mehr
und die Schüler waren nicht mehr im Haus. Mit unseren Computern wird
auch Sprachunterricht erteilt (Englisch, Französisch und Deutsch).
Die Schwester erzählt, dass der Ansturm sehr groß ist. Der
Versammlungssaal wird für alle Veranstaltungen der Gemeinde und der
Pfarre benützt.
Friedensweg
Marianne hat für diesen Friedensweg 16 Steinhauer und viele Arbeitslose
als Pflasterleger beschäftigt. Am Ende des Weges stehen eine Kirche
und eine Klosterruine. Aus dieser Ruine soll das "Haus des Dialogs"
für Politiker, Künstler, Wissenschafter entstehen. In der Schale
des Friedensbrunnens sind die Zeichen aller großen Religionen und
am Rand Wegweiser zu den bekanntesten heiligen Stätten und zu den
wichtigsten Städte, mit denen Albanien in irgend einer Form verbunden
ist (Auswanderer) eingemeißelt. Ein alter Mann begegnet uns am Friedensweg,
innigst dankt er Marianne.
Der letzte Tag in Albanien ist gefüllt mit Begegnungen und Gesprächen.
Fahrt über Elbasan, durch Mazedonien (Skopje) zurück nach Prishtina.
Zum Frühstück erscheint ein Architekt. Marianne erklärt
ihm ihre Ideen und Vorstellungen für den Aufbau des Begegnungshauses
in Rubik.
Der berührendste Moment der Reise:
Marianne trifft Ismet. Erinnerungen werden ausgetauscht, als Marianne
und ihr Koordinator Skender Thaci mit Team nach dem Krieg (1999) die "Waldmenschen"
von Drenica betreut hat. In diese Dörfer um Drenas hat Marianne mit
Unterstützung mehrerer Organisationen 1.000.500 kg Lebensmittel transportiert
und ca. 500 Dachstühle aufgebaut! Eine unvorstellbare Menge, aber
doch wahr - peinlichst genau dokumentiert.
Wie gut, dass ich mit Marianne diese Reise unternehmen konnte! Mit gewaltigen
Eindrücken kehre ich aus dieser Region zurück, aber auch mit
der Verantwortung, Marianne Graf und ihre Hilfsorganisation so gut ich
kann zu unterstützen.
Am meisten beeindruckt hat mich aber Marianne selbst, ihr Wirken in diesem
Land und ihr Einfluss auf die Menschen in Albanien. Sie ist für die
Menschen Albaniens ein Geschenk des Himmels. Wir reden vom Frieden, Marianne
zeigt uns, wie man den Menschen Frieden und Lebensfreude bringt.
Gudrun Haberfellner - Club Soroptimist Bruck/Mur
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Auszug aus dem Bericht über die Albanienreise (2005)
von Frau Mag. Maria Irnberger und Sr. Angela Platzer mit Marianne
Graf
...so hatten wir die große Chance, eine Ahnung von Albaniens Schönheit
und Albaniens Leid zu bekommen. ..........sofort ging es über Rumpelpisten,
vorbei an schlecht gebauten, trostlosen Häusern, zusammengefallenen
Fabriken, Müll, aufgebrochenen Gehsteigen Richtung Norden. Ein bedrückender
Eindruck, ganz im Gegensatz zu der sonst so schönen Landschaft und
den herzlichen Menschen. In Rubik gab es eine große Überraschung.
Durch ein Arbeitslosenprojekt von AAP bietet der Ort einen Anblick des
Aufbruchs: mit Steinplatten abgegrenzte Gehsteige, Grünpflanzen am
Rand der Gehsteige, ein von AAP aufgebautes Bildungszentrum. Der Hang,
an dem Rubik liegt, ist bereits mit Jungbäumen von AAP bepflanzt
und der Höhepunkt: Der alte Kirchberg, ein historischer Boden Albaniens,
auf dem das einzige Zeugnis christlicher Tradition im Land Mirdita die
kommunistische Schreckensherrschaft überstanden hat, eine Apsis aus
dem 12. Jahrhundert, dieser Berg wurde revitalisiert. Im Rahmen des Arbeitslosenprojektes
wurde der Friedensweg mit Steinplatten gebaut, die Zufahrtsstraße
wurde sogar vom Staat errichtet. Oben auf dem Platz hinter der Kirche,
wurde von einem jungen Künstler nach dem Entwurf von Marianne Graf
eine Skulptur errichtet: der Schöpfungsstein mit Lebensschale. In
der Lebensschale sind die Zeichen der christlichen Religion, das Kreuz,
für die jüdische Religion die Menora und für den Islam
der Halbmond gemeißelt. Sie sollen das friedliche Zusammenleben
der verschiedenen Religionsgruppen symbolisieren und zugleich den gemeinsamen
Kampf der Religionen um Gerechtigkeit, um Menschenwürde, um Frieden,
Freiheit und Bewahrung der Schöpfung. Es ist dies das erste so geartete
Zeichen auf dem ganzen Balkan.
Und doch gab es auch in Rubik einen schrecklichen Anblick, die riesige
aufgelassene Kupferhütte. Sie musste von der WHO geschlossen werden,
da der Giftausstoß so schwer war, dass den Arbeitern Blut aus Mund
und Ohren kam, trotzdem hätten sie gerne weitergearbeitet. Seither
ist die Arbeitslosigkeit in Rubik zwischen 70 % und 80 %.
Gegen Abend fuhren wir nach Tirana und erlebten während einer Schaukelfahrt
durch die armen Viertel im Slumgürtel, die menschenunwürdigen
Behausungen gesäumt von Müllbergen. Es ist nicht zu beschreiben,
was wir dabei empfanden. Da erklärte uns Marianne, das sei der Grund,
warum sie soviel daransetzt, dass die Leute Lebensmöglichkeiten in
ihren heimatlichen Bergen bekommen, um nicht hierher siedeln zu müssen.
Eindrucksvoller konnte der Anschauungsunterricht bezüglich Mariannes
Strategie des Helfens nicht sein.
Am nächsten Tag fuhren wir ins Bergland von Mirdita. Wir besuchten
zwei Schulen, es war erschütternd für uns, in welch armseligen
baulichen Zustand sie sich befinden, nicht zu reden von der mangelhaften
bis fehlenden Einrichtung. Trotzdem wird jede Schule wenigstens vor Schulbeginn
ausgeweißt.
Wir fuhren weiter Richtung Puke, vorbei an einer Kinderversorgungseinrichtung
von AAP und einem Medizinischen Versorgungszentrum.
Immer wieder kommt es zu herzlichen Begegnungen mit Menschen, auf der
Straße, in Dörfern, in Städten, in Cafes. Z. B. kommen
gerade vor einer von AAP errichteten Ambulanz zwei junge Frauen vorbei,
die in großer und inniger Dankbarkeit die gute Arbeit des Arztes
und der medizinisch technischen Assistentin loben und beteuern, wie notwendig
diese Einrichtung für die Bewohner dieses Gebietes ist.
Bald ging es weiter nach Kryezi. Nachdem wir die neue Gesundheitsstelle
von AAP - Sternkreuzorden ansahen, erleben wir etwas, was in Worten und
Bildern eigentlich nicht zu schildern ist. Der Bürgermeister bittet
uns, eine Familie aufzusuchen. Was wir dort an Not und Elend sahen, das
empfand ich wie einen Lokalaugenschein, bei dem ich aber selbst vor Gericht
stehe. Das Haus im Zusammenbrechen, die Küche mit Lehmboden und der
einzige Aufenthaltraum ohne einen Einrichtungsgegenstand, dieser Raum
ist aber nur über eine halsbrecherische Leiter zu erreichen. Es ist
erschütternd, Fotos von solchen Missständen zu sehen, aber in
einem solchen Raum zu stehen und die Menschen kennenzulernen, das schneidet
mitten ins Herz. Der Bürgermeister erklärt uns, er habe aber
in seinem Gebiet viele Familien, denen es gleich oder ähnlich ergeht.
Zu diesem Gebiet führt eine eiserne "Brücke", die
nur aus zwei Schienen und Sprossen im Abstand von circa einem halben Meter
besteht, ohne Geländer. 50 Kinder müssen über diese Brücke,
wenn sie zur Schule gehen. Es ist kein Material vorhanden, eine sichere
Brücke zu bauen. Sehr still und doch zum Kämpfen bereit, machen
wir uns wieder auf den Weg.
Marianne kündigt uns an, wenn die Straße befahrbar ist, werden
wir heute bei einer Bauernfamilie nächtigen. Wir fahren bergauf,
passieren unzählige Kurven und Löcher. Plötzlich ist die
Straße verlegt durch Steine. Man sieht keinen Menschen und kein
Haus weit und breit, wir stehen da mitten im Gesträuch. Da hupt Herr
Skender Thaci, der verlässliche albanische Mitarbeiter von Marianne,
und bald kommen schon die Leute der Familie. Die Burschen machen den Weg
frei, es ist allerdings ziemlich halsbrecherisch auf diesem Weg im Retourgang
zu fahren, es muss auch die Stoßstange daran glauben. Aber schließlich
kann das Auto auf dem Weg geparkt werden und wir wandern mit den Familienmitgliedern
zum Haus. Die Leute kennen Marianne schon lange und freuen sich ungemein
über den unerwarteten Besuch. Wir werden wie Ehrengäste aufgenommen.
Diese Familie steht wirtschaftlich etwas besser da, sie haben drei Kühe,
einige Ziegen, zwei Bienenstöcke und bauen auf einem winzigen Feld
Mais und Kartoffeln an. Bargeld ist kaum erwirtschaftbar, so können
sie auch das Haus nicht reparieren. Im Winter gibt es viel Schnee, immer
eine große Gefahr für das altersschwache Dach.
Die Menschen dieser Familie zeigten eine hohe Kultur in ihrem Umgang miteinander
und in ihrer unüberbietbaren Gastfreundschaft. Das Nachtlager, berührend
einfach, doch umso herzlicher hergerichtet, wird uns sicher in tiefer
Erinnerung bleiben.
Wir fuhren die Bergstraßen weiter und sollten noch eine Familie
aufsuchen, von deren Not Marianne Kenntnis hatte. Auch dieser Familienbesuch
war nicht weniger schockierend als der erste. Diese Besuche hinterließen
in mir und auch in Maria sicher Spuren, die bleibend sind. Die traurigen
Augen des jungen Mädchens und der kleinen Kinder (ein Sechsjähriger
schaut aus wie ein Dreijähriger) , ja die gesamte verzweifelte Lage
dieser Familie heißt uns um Mittel für dieses Dorfprojekt zu
kämpfen. Denn auch hier ist dies nicht die einzige Familie, die in
so trister Situation ist - 13 Familien im Elend warten auf Hilfe.
Dann fahren wir weiter nach Puke. Wir besuchen auch einen Treffpunkt für
Behinderte, der von AAP installiert wurde und nun weiter ausgebaut wird.
Nachmittags treffen wir P. Giovanni in Kcire. Er führt in Zusammenarbeit
mit AAP ein landwirtschaftliches Projekt durch, das zugleich die Entwicklung
der Landwirtschaft fördert und andrerseits den Leuten Arbeit und
Einkommen verschafft. Wir besuchten die angelegte Baumschule, wo vorerst
hauptsächlich Bäume gezogen werden, die gegen die Erosion gepflanzt
werden können. Weiters bestaunten wir einen Erdbeeranbau und die
Marmeladeerzeugung, sowie die fertigen Produkte. Was ist da schon Marianne
durch eine Vorfinanzierung gelungen! Ein starkes Beispiel, das zeigt,
dass gegen die Abwanderung effizient vorgegangen werden kann.........
Wie sehr braucht Marianne aber auch unsere Unterstützung. Sie braucht
ganz entschlossene Mitkämpfer, dass unsere Nächsten, was sie
auf Grund ihrer Notsituation sind, menschenwürdig leben können.
Marianne Graf ist mit ihrer Hilfsorganisation eine Hoffnungsträgerin
für die ganze Region und sie hat auch schon mit Hilfe ihrer Helfer
und in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung dort sehr viele Orte der
Hoffnung geschaffen. Es ist mehr als der berühmte Tropfen auf den
heißen Stein, es sind Hilfsmaßnahmen, die tatsächlich
Veränderung bewirken und zur Stabilisierung einer ganzen Region beitragen,
indem die Bewohner abgehalten werden, in die Slums von Tirana zu siedeln.
..............................................viele Bitten werden an sie
herangetragen.
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